6.2. der menschliche Spross

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Der menschliche Spross ist ein Phänomen, das der Forschung viel Kopfzerbrechen bereitet. Es ist kein Lebewesen bekannt, dessen Nachkommenschaft Vater und Mutter so wenig gleicht wie der menschliche Spross. Die äussere Zellform mit den Fünffinger-Enden an vier gleichmässigen Extremitäten, dem Zentrum des Kopfes und dem Semi-Zentrum des Geschlechtsteils an je einem Ende des Rumpfes stimmt zwar überein. Während aber zum Beispiel der junge Springbock nach der Geburt auf die Beine steht und – den Springböcken gleich – bald seine ersten Sprünge probiert, zeigt der menschliche Spross lange keinerlei menschliche Regung. Der Spross verleibt sich Materie ein, zieht Materie an sich und brüllt gegen die Aussenwelt an – wie es jedes Leben tut, ohne damit einer bestimmten Spezies anzugehören. Der Kampf der Aneignung seitens Vati und Mutti Mensch ist lang und erbarmungslos. Nachdem der Spross aus dem Ei gekrochen ist, muss Mutti Mensch ihm lange Jahre, Tag für Tag, das Jäckchen und die Schühchen überziehen. Lange, lange bleibt ungewiss, ob der Spross sich nach Menschenart jemals für Jäckchen und Schühchen begeistern wird. Und wie manchen Motor muss Vati Mensch mit dem Spross männlichen Geschlechts betrachten! Erst nach Jahren kann Vati hoffen, dass sein Nachkomme einmal einen Motor erringen will, mit dessen Hilfe er die Herausforderungen der Balz bestehen kann. Ein harter, weiter Weg, der mit Übungen wie Teddybär, Tässchen, Häuschen, Büchlein, Gewehrchen, Kaufhaus und Skifahren gepflastert ist, die mit unendlicher Geduld wiederholt werden, bis der Spross sich entscheidet, dem Menschengeschlecht beizutreten.{/vsig_c}